Gewaltfreie Erziehung wird Gesetz: Was bedeutet Artikel 302 ZGB für Eltern und das Kindeswohl?

„Gewaltfrei aufwachsen zu können ist zentral für das Kindeswohl“, hält die eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) fest.

Autorin: Marianne Affolter

Artikel 302 ZGB tritt in Kraft: Gewaltfreie Erziehung als gesetzlicher Standard in der Schweiz

„Gewaltfrei aufwachsen zu können ist zentral für das Kindeswohl“, hält die eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) fest.

Im Juli 2026 ist der Artikel 302 ZGB in Kraft getreten. Damit ist gesetzlich geregelt: Gewaltfreie Erziehung ist kein Graubereich, sondern gilt uneingeschränkt und unumstösslich.

Umsetzung des neuen Gesetzes: Unterstützung und Sensibilisierung bleiben entscheidend

Auf dieses Gesetz haben wir lange hingekämpft.

Es ist wichtig für Prävention, Einforderung und Umsetzung.

Damit hört es aber nicht auf:

  1. Eltern und Kinder in schwierigen Situationen müssen die nötige Unterstützung erhalten, und sie müssen wissen, dass es diese gibt und wo sie sie finden.
  2. Dazu gehören entsprechende Sensibilisierungsinitiativen auf nationaler Ebene, wie die EKKJ sie fordert: für die Bekanntmachung der Gesetzeslage zur gewaltfreien Erziehung bei Eltern und Bezugspersonen, zum Schutz der Kinder und für die Information über bestehende Hilfsangebote.

Relevante Inhalte verständlich vermitteln \- Information und Kommunikation für effiziente Wirkung

Gesetzesänderungen wie diese entfalten ihre Wirkung, wenn sie bekannt sind. Für Organisationen und Behörden relevante politische und gesellschaftliche Themen verständlich aufzubereiten und über digitale Kanäle an Entscheidungstragende, Fachpersonen und die Bevölkerung zu vermitteln, ist daher eine wichtige Aufgabe.

Politische Entscheide und gesellschaftlich wichtige Themen verdienen Aufmerksamkeit. Komplexe Inhalte werden dabei verständlich aufbereitet und über digitale Kommunikation, Social Media und Online-Kanäle gezielt an Fachpersonen, Entscheidungstragende und die Bevölkerung vermittelt.

Autor:innen-Profil Marianne Affolter ist Sozialwissenschaftlerin, Kommunikations- und Politikexpertin sowie Co-Geschäftsleiterin des Kampagnenforums. Seit über 20 Jahren analysiert und begleitet sie politische, gesellschaftliche und kommunikative Entwicklungen an der Schnittstelle von Strategie, Campaigning, Public Affairs und Organisationsentwicklung.

FAQ: Warum entscheidet Kommunikation über die Wirkung von Politik?

Was bedeutet der neue Artikel 302 ZGB zur gewaltfreien Erziehung?

Mit dem neuen Artikel 302 ZGB wird ausdrücklich festgehalten, dass Kinder gewaltfrei erzogen werden sollen. Die gesetzliche Verankerung stärkt den Schutz von Kindern und schafft Klarheit über den gesellschaftlichen und rechtlichen Standard in der Schweiz.

Reicht ein neues Gesetz aus, um gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen?

In der Regel nicht. Forschung aus Politik-, Kommunikations- und Sozialwissenschaften zeigt, dass gesetzliche Änderungen ihre volle Wirkung erst entfalten, wenn die betroffenen Menschen über neue Rechte, Pflichten und Unterstützungsangebote informiert sind und diese auch verstehen.

Warum sind Information und Sensibilisierung nach einer Gesetzesänderung so wichtig?

Viele Menschen erfahren von Gesetzesänderungen erst spät oder gar nicht. Behörden, Fachorganisationen und zivilgesellschaftliche Akteure tragen deshalb dazu bei, neue gesetzliche Regelungen verständlich zu erklären, Orientierung zu geben und auf bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen.

Welche Rolle spielt strategische Kommunikation bei der Umsetzung neuer Gesetze?

Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Gesetzesumsetzung. Sie hilft dabei, komplexe rechtliche Inhalte verständlich aufzubereiten, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und gesellschaftliche Veränderungen nachhaltig zu begleiten.

Warum investieren Behörden in Sensibilisierungskampagnen?

Sensibilisierungskampagnen sollen Wissen vermitteln, Einstellungen verändern oder gewünschtes Verhalten fördern. Sie ergänzen gesetzliche Massnahmen und können dazu beitragen, dass neue Regelungen im Alltag tatsächlich umgesetzt werden.

Was zeichnet wirksame Präventions- und Sensibilisierungskampagnen aus?

Wirksame Kampagnen orientieren sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen, kennen ihre Zielgruppen und kombinieren verschiedene Kommunikationskanäle. Verständliche Botschaften, glaubwürdige Absender sowie wiederholte Kommunikation über längere Zeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Informationen wahrgenommen und umgesetzt werden.

Warum ist zielgruppengerechte Kommunikation bei gesellschaftlichen Themen entscheidend?

Eltern, Fachpersonen, Behörden und weitere Anspruchsgruppen haben unterschiedliche Informationsbedürfnisse. Erfolgreiche Kommunikation berücksichtigt diese Unterschiede und vermittelt dieselben Inhalte in einer Form, die für die jeweilige Zielgruppe verständlich und relevant ist.

Welche Rolle spielen digitale Kommunikation und Social Media bei der Umsetzung politischer Entscheide?

Digitale Kanäle ermöglichen es Behörden und Organisationen, Informationen schnell und zielgruppenspezifisch zu verbreiten. Sie ersetzen persönliche Beratung nicht, können aber wesentlich dazu beitragen, Wissen zugänglich zu machen und auf weiterführende Hilfsangebote hinzuweisen.

Wie lässt sich die Wirkung von Informations- und Sensibilisierungskampagnen messen?

Die Reichweite einer Kampagne ist nur ein Teil des Erfolgs. Entscheidend ist, ob Zielgruppen die Botschaften verstehen, Angebote kennen und ihr Wissen oder Verhalten langfristig verändern. Deshalb werden Wirkungskampagnen häufig anhand mehrerer qualitativer und quantitativer Kriterien evaluiert.